Neben Aikido praktiziere ich Iaijutsu – die japanische Kunst des Schwertziehens – in der Tradition des Musō Jikiden Eishin Ryū.
Iai beginnt, bevor das Schwert gezogen ist – die Klinge noch in der Saya, noch nichts in Bewegung. Und doch ist bereits alles vorhanden. Tomita Shihan beschreibt es so: Bevor man zieht, muss man sich aller umgebenden Umstände voll bewusst sein. Spüren, woher das Geräusch kommt, bevor es da ist. Verstehen, was geschehen wird, bevor es Gestalt annimmt.
Die Bewegungen sind langsam, konzentriert. Doch in dieser Langsamkeit liegt bereits das Endergebnis verborgen – die Geschwindigkeit und Kraft des finalen Ziehens sind von Anfang an vorhanden, in komprimierter Form. Wie Tomita es formuliert: Es geht nicht darum, eine bestimmte Form zu lernen, sondern einen bestimmten Geist – und diesen Geist im täglichen Leben anzuwenden.
居合とは 人に斬られず 人斬らず
ただ受け止めて 太平の勝ちIai to wa / hito ni kirarazu / hito kirazu
tada ukestomete / taihei no kachiIai ist dies: nicht vom anderen getroffen zu werden, den anderen nicht zu treffen —
— anonymes Dōka, klassische Iaido-Tradition
einfach empfangen und auffangen, und so der Sieg des großen Friedens.
Dieses Gedicht verweist nicht auf Sanftheit. Es beschreibt einen Zustand, in dem man so vollkommen präsent ist – so vollkommen bereit –, dass nichts geschehen muss. Indem man dem anderen die Chance gibt, einen mit seinem schneidenden Schwert anzugreifen, wird auch er für das eigene Schwert angreifbar. Es gibt nur eine Chance zu überleben – und die muss man voll und ganz ergreifen. Man tut das, was getan werden muss, auf des Messers Schneide.
Das ist die Richtung, in die sich Iaijutsu entwickelt hat: von satsu jin ken – dem lebensnehmenden Schwert – hin zu katsu jin ken – dem lebensspendenden Schwert.